Jörg Schön

 



 

 


FAUST


Eine Impression

 

Faust zählt zwölf! Konstantinopel ist tot, Venedig träumt, langsamer der Puls! Kolumbus! Er hat die Richtung gewechselt. Aber wer glaubt denn, dass ein Tor bricht? Schon spürt man die Schläge, hinauf bis an' s Herz. Unruhe im Land und schon wieder ein Vogt, mit dem Arsch im Dreck. Die Gans war für den Fuchs und der Spott für die Herren, böse Fingerzeichen für die Geistlichkeit, die nun ja, aber der Herr Jesus war selber ganz arm. Der Boden zittert. Gib mir die Trommel! 

Bald wird Luther sein Papier an die Kirchentür hängen, Spanien einen Kontinent, Bauern die Klöster und Burgen verbrennen, der Frundsberger mit seinen Landsknechten Rom vergewaltigen, Nacht um Nacht die Kirche erneuern, bald werden die Fürsten zu Luther überlaufen, doch vorher in seltener Eintracht den Bauern noch eine aufs Maul hauen! Bald!. Und dieses Bald ist so mächtig. dass es schon beinahe ein Jetzt ist und in diesem Jetzt lebt Faust. Und macht sich auf und fort in das Leben. Schwarz ist die Nacht, Sterne! Wo seid Ihr? 

Faust, Kind dieser Zeit und diese Zeit, er ist es selbst! Schaut, seine Augen! Wo andere mit geblähten Segeln nach Privilegien und Prozenten haschen, noch schnell Isabella und die Krone für angemalte Indianer, denn Wissen ist Macht und wer da draußen war, der weiß. Die Karten, mein Kaiser, wie viel Schritte darf ich …? Halt! Faust, den Aufbruch hinter sich und ohne Segel, aber im Wissen, dass ihm nichts verwehrt, so er nur will und wollte mit dem ersten Wort, dazu ein paar Bücher und die lange Straße für das, was in keinem Buch, nur in sich selbst, die Welt als Spiegel. Schatten am Feuer und kein Stechen in der Brust. Wo andere noch mit Gewalt das alte, bekannte, vertraute, bangvoll die Frage nach Zukunft, auf verbriefte Rechte, denn hörig bleibt hörig – da weiß Faust schon, wie man den Stecken schneidet, das Stroh drischt und die Bauern sticht, immer in die Beutel. Aufruhr und Dreck. Keinen Deut besser als die Herren, aber Tölpel! Pechnasen als Galgen! Warum? Nur auf mich! Was denn sonst? Auch nicht auf einen Geleitbrief, abgesegnet mit den Fersen. Dumm genug, sich auf der Welle der Erregung, in die Schlachtreihe, mit einer alten Welt an neuen Ufern in Scherben zu schlagen, und wieder zurück, immer zum Anfang und die Kraft in ewig menschlicher Mäßigkeit zu verbrauchen. Aber hinauf auf die Welle und Schwung für den Absprung, weder Hoffen noch Bangen und erst recht keine Ewigkeit, nur die Fähigkeit, hier, jetzt und immer der Vorteil. Christentum? Erzähl mir was! Ganz recht! Soll einer nur an den einen Gott glauben, den Einen! Den Stecken her! Dummkopf! Schöpfer der Welt? Woher kommt das Böse, Herr Magister? Weiß er nicht! Weil er Ja und Amen sagt, den Kopf in der Magd, und den Schädel zu klein, dass auch Luzifer Platz hat. Immer zwei! Abel und Kain! Am Anfang war. Ach was! Hier! Rufe und der Geist muss Dir bringen: Moses, Dominus, Magus Magorum, Baalam, Daniel, Jesus, Elohim. Im Kreis die Viertelstunde, Stunden des Euphrat, Feuer des Horeb, aber parsisch das Zeitherz! Zwei Bücher des Mose verboten, darüber die Kirche, gekreuzte Kerzen. Dreizehn! 

Also, die sieben Todsünden auf einmal, Vorwärts. Ohne Spieß und Fähnlein der wehenden Gnade der Geburt, nur Kraft meiner selbst! Banges Herz, schön ist die Monstranz und die Kirche, im Spiegel feuchter Stufen, Luzifer lächelt. Komm! Diese Umarmung! Schaut auf mich: Die Macht. Meine Haut ist dunkel, dunkler meine Augen – ich bin Sabiner! Und – Schwester der Eva! Schwarz standen Äste, Griff zu den Sternen und – Verfehlt! Verfluchte Dilettantin! Aber her da! Und Du im roten Wams bist näher als Du denkst! 

Betbruder? Schulmeister? Arzt? Sterndeuter? Schert Euch! In dieser Zeit? Alles! Oder ein Nichts! Und mit dem Tod ist alles aus!