Alexej Moir


Präludium und Fuge des Islam

 

Wer immer sagt »Ich weiß« oder »Ich weiß nicht«, »Ich erkenne« oder »Ich erkenne nicht«, »Ich will« oder »Ich will nicht«, »Ich bete an« oder »Ich bete nicht an«, »Ich töte« oder »Ich töte nicht«, »Ich liebe« oder »Ich liebe nicht«, »Ich hasse« oder »Ich hasse nicht«, »Ich bin« oder »Ich bin nicht«, der spricht vordergründig so, als gehöre er einer Welt der Vielheit an. Wenn du etwas weißt, ist es dasselbe, wie wenn du nicht weißt. Wenn du es nicht weißt, ist es dasselbe, wie wenn du es weißt. Wenn du bist, ist es dasselbe, wie wenn du nicht bist, Und wenn du nicht bist, ist es dasselbe, wie wenn du bist. Was hast du mit all dem zu tun? Was hast du zu tun mit dir selbst und was mit dem, was nicht du selbst bist? Wenn du so denkst, reihst du dich in die Schar der wahrhaft Gläubigen ein. Du gehörst zu denen, die an die Einheit Gottes glauben. Die Begriffe »dies« oder »das« tragen in sich keinen Sinn. Und ebenso haben »ich« und »du« keinen Sinn. Du ist derselbe wie er. Das macht die Bedeutung von Einheit und Einzig keit aus, das unverzichtbare Fundament des Islam. Im Verzicht auf das Denken, Sprechen und Handeln, in der Aufgabe des eigenen Selbst erfüllt sich das Göttliche Gesetz, erfährst du ewiges Leben. Denn Gesetz heißt nichts anderes als dein eigenes Sein oder Nichtsein, Bewegung oder Stillstand, Wissen oder Nichtwissen, Sprechen oder Stummsein.

Zum Wesen islamischer Existenz scheint die Aufhebung jeglicher Dualität zu gehören. Gut oder Böse, Leben oder Tod, das Offensichtliche oder Verborgene büßen ihre Konturen ein vor der immanenten Anwesenheit des einzigen Gottes. Schließlich sei dieser, wie es der Koran formuliert, dem Menschen näher als seine Halsschlagader. Erschreckend nah, allgegenwärtig und zugleich nicht zu orten entzieht sich dieser rastlose Schöpfergott der menschlichen Vorstellungskraft. Generationen von ulama haben sich bemüht, das Wesen Allahs über das im Buch Geoffenbarte hinaus zu fassen. Mit einer Hartnäckigkeit ohnegleichen und mit akribischer Schläue verfolgten die islamischen Gelehrten und Juristen ihr Ziel. Bei aller Brillanz ihrer Denkansätze und scharfsinnigen Schlussfolgerungen im Grunde vergebens. So hat sich mit der Zeit nur der Hang zum Fatalismus verstärkt, den etliche Stellen im Koran über die Vorherbestimmtheit des menschlichen Schicksals fördern.

Und doch kennzeichnet den wahren Muslim sein Durst nach Wissen, eine nicht nur wissenschaftliche Neugier. Auch dafür findet er das geeignete Rüstzeug in mehreren Suren, die den Gläubigen explizit auffordern, den Verstand zu benutzen, um das Wissen zu mehren:

Habt ihr denn keinen Verstand? 
Wollt ihr denn nicht nachdenken?

Folgt man dem Islamwissenschaftler und konvertierten Muslim Murad Wilfried Hofmann, dann sind Glaube und Wissen im Islam nicht nur miteinander vereinbar, sondern sie bedingen einander geradezu. Ein verständiger Muslim denkt über Gott und die Schöpfung »im Stehen, Sitzen und Liegen« nach. Er bemüht sich um Objektivität anstatt sich auf bloße Mutmaßungen zu verlassen und er sucht nach Beweisen, um seine Überlegungen zu stützen. In einem berühmten hadith fordert der Prophet seine Anhänger auf, überall auf der Welt nach Wissen zu suchen, selbst wenn sie dafür bis nach China reisen müssten – eine Zumutung ohnegleichen in der damaligen Zeit. Eine andere Überlieferung, ebenfalls Muhammad zugeschrieben, tradiert:

Am Tage des Gerichts werden die Tinte der Gelehrten und das Blut der Glaubenskämpfer gewogen – und die Tinte der Gelehrten wird schwerer wiegen als das Blut der Märtyrer.

Das Erlangen von Erkenntnis jede Art ist die Aufgabe des Menschen schlechthin, ein Wissen allerdings, das nicht wie im Westen, von religiösen und ethischen Einflüssen befreit, allein autonomen Prinzipen folgt, sondern sakrales und profanes Terrain in sich vereint, den Widerspruch zwischen Ratio und Glaube aufhebt.


 

 

 


 

 

 

 


Die Religion der Mitte

Diese zwanglose Teilhabe an einer irdischen und zölestischen Realität müsste jeder Form von Extremismus und Fundamentalismus im Islam den Boden entziehen. Denn für alle Bereiche des Lebens gilt das Ideal und das alles umfassende und strukturierende Grundprinzip des Gleichgewichts, der Mitte. In der Sure2, 143 heißt es:

Und wir haben euch zu einer in der Mitte 
(wasat) stehenden Gemeinschaft gemacht.

Der arabische Autor Sayyid Abu A’la Maududi übersetzt diese Stelle mit »Gemeinschaft des mittleren Weges, die dem Pfad von Gerechtigkeit und Ausgewogenheit, von Balance und Maß folgt«. Jede Art des Übermaßes und der Übertreibung ist zu vermeiden. So liegt die Freigiebigkeit zwischen Verschwendung und Geiz, die Kühnheit zwischen dem leichtsinnigen Draufgängertum und der Feigheit. In Sure25, 65 ist von Menschen die Rede, »die, wenn sie spenden, weder verschwenderisch sind noch knausern, sondern die Mitte dazwischen halten«. Denn Gott liebt nicht diejenigen, die nicht Maß halten. Immer wieder ermahnt der Koran die Gläubigen dem »rechten Weg«, as-sawa’ as-sabili, zu folgen, was wörtlich übersetzt »das Mittlere, Gleichmäßige des Weges« heißt. Damit im Einklang beruht der Islam auf der Idee von der Schaffung eines Gleichgewichts innerhalb des Individuums wie auch innerhalb der menschlichen Gemeinschaft. Dieses Gleichgewicht ist nichts anderes als die irdische Spiegelung der göttlichen Gerechtigkeit. Wurzelt nicht darin die Stabilität der islamischen Gesellschaft über die Jahrhunderte hin, der zeitlose Charakter dieser traditionalen Zivilisation?

Im Arabischen leiten sich die Wörter für Maß, Mäßigung, Ausgewogenheit, Gleichgewicht, Harmonie und Gerechtigkeit alle von der Wurzel ‘dl ab. Mitte und Maß und die daraus resultierende Gerechtigkeit führen den Muslim zu einer grundsätzlichen Lebensbejahung, zu seiner positiven Weltsicht. Mönchische Lebensformen und übertriebene Askese sind diesem Islam der Mitte fremd, ja in hohem Maße suspekt. Hat der Prophet nicht vor überzogenen religiösen Ritualen, vor dem Zölibat, ausuferndem Fasten, vor Pessimismus und Verdrießlichkeit gewarnt? Er befahl seinen Schülern, das Fasten vor dem Gebet nach Sonnenuntergang zu brechen, ihre Körper sauber zu halten, die Zähne zu putzen, sich zu pflegen und zu parfümieren, die beste Kleidung anzulegen, wenn sie zum Gebet zusammenkommen, zu heiraten, ausgiebig zu schlafen und sich bei Spiel und Sport zu erholen. Jeder Muslim versteht es, sich der Wohltaten Gottes zu erfreuen. Gleichzeitig vermeidet er es, diesen Freuden im Übermaß zu frönen.

Bei aller Kritik am islamischen Recht, der Schari’a, oft wird diesem »direkten Weg zur Tränke« – so die wörtliche Bedeutung – ein verfestigter, sklerotischer Charakter nachgesagt, haben seine wichtigen dynamischen Elemente von Konsens, idschma’, Wahl des Besseren, istihsan, und Gemein wohl, istislah, insgesamt einen mäßigenden Einfluss auf die Grundstimmung und Befindlichkeit der muslimischen Gesellschaft. Der damit einhergehende Gleichklang von Aktion und Kontemplation im Alltag der Muslime verleihen dieser Gesellschaft ihre unverwechselbare Patina, eine eigentümliche Färbung, die jedem Besucher auffällt, egal ob er sich in Bosnien, Marokko, in Ägypten oder Pakistan aufhält.

Einssein mit Gott heißt zugleich Einssein mit seiner Schöpfung, mit der Natur. Muslime weisen darauf, wie schon in den frühen Tagen des Islam ein Umweltbewusstsein die damalige Gesellschaft durchdrang und erwähnen die berühmten Bewässerungssysteme, die architektonischen Grundmuster von Städten wie Fez, Sana’a, Isfahan oder Aleppo. Die muslimische Achtung vor der Natur – so der Forscher Sayyid Hussein Nasr – ist so groß, dass die technologische Entwicklung im Islam immer dann bewusst gebremst oder sogar abgebrochen wurde, wenn sie sich zu einer Bedrohung der natürlichen Umwelt auswuchs.

 

 


 

 

 

 


Ein hadith erzählt die Geschichte des Propheten Muhammad, der vor seiner nächtlichen Reise nach Jerusalem in die Moschee ging, um zu beten. »Als ich die Moschee wieder verließ, kam der Erzengel Gabriel auf mich zu, mit einem Gefäß, welches Wein enthielt, und mit einem Gefäß, das Dauermilch enthielt. Ich wählte letzteres. Gabriel sagte zu mir: Du hast die fitra gewählt.« Diese kurze Episode demonstriert äußerst präzise, dass der Islam auf der Seite der »Milch«, nicht auf der des »Weines« steht, d.h. auf der Seite der »Natur«, nicht auf der Seite der Zivilisation, der Geschichte, der Entwicklung und der Änderung des ursprünglich-naturhaften Zustands. Während das Christentum sich auf ein Ereignis beruft, das ganz konkret in der Zeit stattgefunden hat, verneint der Islam jede historische Dimension. Er greift auf den Anfang zurück in die metahistorische, vor- und übergeschichtliche Region von Präexistenz und Ewigkeit vor aller Schöpfung. Er ist die sich definitiv vom Geschehnishaften abwendende Urreligion. Jedes Kind wird in dieser natürlichen Urreligion, ‚a la l-fitra’ geboren. Erst die Eltern machen aus ihm einen Christen, Juden, Buddhisten oder Atheisten. Im Islam ragt nur die Wahrheit vom All-Einen wie ein unverwitterbarer Fels als Einziges und Ewiges hervor. Deshalb darf auch das Wirken des Propheten nicht über die Maße betont werden, er muss einer unter vielen – wenn auch der Letzte – sein. So geriert sich auch der Koran nicht als geschichtlich-dramatisches Werk, daher sein dürrer, dem Evangelium ganz unähnlicher Duktus, die fast wegwerfende Knappheit seiner Erzählungen. Frithjof Schuon geht sogar so weit, den aus der Zeit gehobenen Islam als reine Idee zu bezeichnen.

Der bereits erwähnte Maududi formuliert es so: »Ein Muslim zu sein heißt tief in der Natur aller Dinge und Lebewesen verwurzelt zu sein... Dies ist der Islam, die natürliche Religion des Menschen, die Religion, die nicht an irgendeine Person, eine Zeit, ein Volk oder Land gebunden ist. Islam ist der Lebensrhythmus der Natur und deshalb die Religion des Menschen schlechthin. Zu jeder Zeit, in jedem Land und bei jedem Volk haben gottesbewusste, wahrheitsliebende Menschen an diese Religion geglaubt und nach ihr gelebt. Sie alle waren Muslime, unabhängig davon, ob sie diesen Weg Islam oder anders nannten.« Und weil die gesamte Schöpfung dem Gesetz Gottes gehorcht, sind daher auch die Sonne, der Mond, die Erde und alle anderen Himmelskörper »Muslime«. Ebenso Luft, Wasser, Wärme, Steine, Tiere und Bäume: alles im Universum ist »Muslim«. Folgt man Wilhelm Maas, so versteht sich der Islam als die ursprünglichste Religion schlechthin und zugleich auch als die letzte, ursprünglich, angeboren, unverfälscht und in diesem Sinne auch die »Religion der Vernunft«. Diese Besonderheit verleiht ihm eine spezielle synthetische und integrierende Kraft, die alles zu absorbieren vermag, was aus früheren Zeiten und Kulturen mit ihm vereinbar ist.

 

 


 

 

 


Der Gott der Wüste

Verfügbar ist die Wüste nicht. Niemand dringt in sie ein oder presst etwas aus ihr heraus. Sie existiert nicht im Bewusstsein der wenigen Kreaturen, die sie, von einer unsichtbaren Macht getrieben, rastlos durchqueren, um mit ein wenig Glück der Weite, diesem verkommenen Land zu entrinnen. Denn Verkommenheit ist es, woraus sich im Wesentlichen die Wüste ergibt. Die Berge in der Ferne treten aus einem Schleier hervor, den die zitternde Hitze über die Ebene webt, und sie sind auch wieder merkwürdig klar. Rissig und steil leuchten sie im Nachmittagslicht, weißgelb und lila dazwischen. Über die Ebene schießt das Licht hin und her. Mit den fernen Höhen springt es nach Gutdünken um, türmt sie morgens hoch auf und erdrückt sie mittags in Gluten, färbt sie abends rot und dann wieder ganz fahl mit violetten dunkleren Schatten. Und dann der gleichgültige, verachtende, ewig wehende Wind, der über die Weiten hinfährt wie eine Hand über ein gestorbenes Gesicht.

Die Wüste besitzt eine Oberfläche, eine hingeschmolzene, glänzende Haut. Auch sie ein Werk des höhnischen Windes, der hin und her schießt, wie um zu wachen, dass ja nichts entstehe auf diesem Land. Natürlich ist es gar keine Haut, es ist nur das Endgültige des unablässig rieselnden Sandes, nur die besiegelte Rastlosigkeit.

Das also ist Wüste. Land, das nicht mehr empfängt und nicht schenkt, durch nichts mehr genährt, ausgeschieden aus dem Kreislauf des Lebens. Erde ohne Verwandlung, die nichts mehr begreift, Erde, die schicksallos ist, ohne Freuden und Leiden. So ist nicht einmal das Antlitz des Todes. Denn der kann schrecklich sein, aber auch sanft. So ist nur Gestorbensein, weit weg vom Menschlichen. Keine Vergangenheit, keine Erinnerung, jenseits von Zeit.

Und in dieser ausgemachten Öde, in diesem Ausgelöschten, Getilgten hat sich Gott einem einzigen Menschen offenbart, einem obskuren arabischen Kaufmann aus Mekka. Nicht von Angesicht zu Angesicht, sondern durch Worte, launisch, oft schwer verständlich und sich widersprechend wie der streunende Wind. Und es ist der Zorn, der diesen Gott der Wüste umtreibt, Zorn auf die Fehler seiner Schöpfung, die im Grunde genommen doch gut ist? Vor allem die Vergesslichkeit des Menschen, dessen größte Schwäche, macht Ihm zu schaffen. Dieser angeblich allmögende, allwissende und wohlwollende Gott ist stolz und eifersüchtig. Wenn er sich selbst genügt, wozu benötigt er dann die Menschheit? Wenn er allmächtig ist, warum verlangt er dann menschlichen Beistand? Passt es zu einem höchsten moralischen Wesen, dass es von seinen Geschöpfen Lobpreis und absolute Hingabe fordert?

Der französische Orientalist Bousquet beginnt sein klassisches Werk L’Étique sexuelle de l’Islam mit der knappen Feststellung: »Es gibt keine Ethik im Islam«. Dem Muslim ist lediglich der Gehorsam gegen den unbegreiflichen Willen Allahs befohlen; »gut« und »böse« werden als das definiert, was der Koran und später das islamische Recht für zulässig oder verboten hält. Es gibt keine rationale oder unabhängige Instanz, die über gut und böse befinden würde.

Was Bertrand Russell zum Christentum anmerkt, gilt in noch höherem Maße für den Islam: »Die Religion ist hauptsächlich auf Angst gegründet. Angst vor dem Mysteriösen, Angst vor Versagen, Angst vor dem Tod. Angst ist die Mutter der Grausamkeit, und daher ist es kein Wunder, wenn Grausamkeit und Religion Hand in Hand gehen«. Das im Koran entwickelte ethische System beruht vorwiegend auf Angst. Muhammad benutzt den dräuenden Zorn Gottes als Waffe, mit der er seine Gegner bedroht und seine Anhänger zu frommen Taten und zu völligem Gehorsam ihm gegenüber anhält. Sir Hamilton Gibb schreibt: »Gott ist der allmächtige Herr und der Mensch Sein Geschöpf, das ewig in Gefahr schwebt, sich Seinen Zorn zuzuziehen – das ist das Fundament aller muslimischen Theologie und Ethik«

Kontrapunktisch rafft sich der zürnende Gott – so Er will – mitunter auch zu Gesten der Barmherzigkeit auf. Doch all das wird überschattet vor der vorherrschenden Lehre der Prädestination: Gott erschafft Geschöpfe, die von vornherein für die Hölle bestimmt sind.

Angst untergräbt jede wahre Moral. Von Angst geplagte Menschen handeln aus schierem Eigeninteresse, um den Qualen der Hölle zu entgehen, die für den Gläubigen nicht weniger real sind als die Freuden des jenseitigen »Bordells«, das sich hinter dem Namen Paradies verbirgt. Während der ganzen Geschichte des Islam besaß der Glaube an diesen so lustvoll geschilderten Ort einen beachtlichen militärischen Wert. Nach dem Konzept des dschihad – moderate Muslime versuchen diesen Begriff auf das Sich Bemühen um innere Vollkommenheit zu reduzieren – genießt der im Glaubenskampf gefallene Märtyrer augenblicklich die Wonnen des Paradieses. Diese »religiöse« Waffe hat bis heute ihre Wirkung nicht eingebüßt.

Die Widersprüchlichkeit des Islams beruht wesentlich auf der Einstellung zum Koran. Ist er das aus der Zeit genommene Heilige Buch, von Gott in dieser Form herabgesandt und dessen original im Himmel verwahrt ist? Oder darf man ihn einer historisch-kritischen Analyse unterziehen? Wie schwer wiegen die Verse, die unverblümt zum Kampf gegen Andersgläubige aufrufen. Und wie ernst darf man andere Stellen nehmen, die der Toleranz das Wort reden. Jahrhundertelang wurden die islamischen Theologen nicht müde, jeden Koranvers skrupulös immer wieder neu zu interpretieren. Sehr geschickt befreiten sich einige Mystiker von der Fessel einer wörtlichen Aus legung des Heiligen Buches. Der äußeren, zahir, stellten sie die innere Bedeutung, batin, entgegen, die für den Eingeweihten einen völlig anderen Sinn ergibt.

Doch die Ungewissheit bleibt: Was in dem Buch ist göttlich, was menschlich? Was ist wahr und was entspringt dem Kalkül eines arabischen Staatsmanns des 7. Jahrhunderts?

»Ich weiß« und »Ich weiß nicht«, »Ich erkenne « und »Ich erkenne nicht«, »Ich will« und »Ich will nicht«, »Ich bete an« und »Ich bete nicht an«, »Ich töte« und »Ich töte nicht«, Ich liebe« und »Ich liebe nicht«, »Ich hasse« und »Ich hasse nicht«, »Ich bin« und »Ich bin nicht«